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Reisebericht - Tauchreise vom 22.03. bis 07.07.2004


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Der Weg der weissen Karawane ...

(Ein Reisebericht von Jenny zur Curaçao-Gruppenreise 22. März bis 07. April 2004)

Es begann an einem kalten Montagmorgen im März des Jahres 2004. Es war noch dämmrig, als sich 17 tapfere Menschen anschickten, pünktlich am „geheimen“ Treffpunkt (Tauchshop extern IVAN’S DIVE TEAM in Osnabrück-Lüstringen) zu erscheinen, um eine Traumreise in die Karibik anzutreten. Bereits um 5:45 Uhr fuhr der große Reisebus mit „Mann und Maus“, jeder Menge Tauch- und Reisegepäck sowie Reiseproviant los, um alles über die niederländische Grenze zu bringen. Es war ein gefährlicher Weg, der viel Mut und vor allem Zeit in Anspruch nahm, bis sie den AmsterdaGepäcksmer Flughafen Schiphol erreichten. Beinahe hätte man sie aufgrund des reichlichen  aussortiert, doch dank des trickreichen Reiseleiters Jürgen, der mit seiner Erfahrung und Cleverness die Wachleute und das CheckIn-Personal überlisten konnte, schafften sie es in letzter Sekunde den Jumbojet der KLM zu entern.

11:30 Uhr erhob sich die Maschine kraftvoll in die Lüfte, flog über Land und Leute, überquerte den Atlantischen Ozean und setzte um 16:15 Uhr fremder Ortszeit (der Zeitunterschied zu Deutschland betrug immerhin minus 5 Stunden) zur Landung an. Erschöpft von dem kurzen Leben auf engem Raum waren die Insassen nun heil auf Curaçao - dem heissersehnten Reiseziel - angekommen.

Jürgen hatte bereits im Vorfeld schwere Verhandlungen mit dem „Inselkönig und Tausendsassa Louis“ geführt, was sich absolut gelohnt hatte. Da standen sie: sieben starke weiße blecherne „Kamele“ - drei grosse (Pickups) und vier kleine (PKW’s) - die sie über das Land geleiten sollten. Das Gepäck wurde aufgeladen und die weisse Karawane zog durch die karge und kakteenreiche Landschaft gen Westen, wo sie in der gebuchten Apartmentanlage extern"All West" für die kommende Zeit Unterschlupf fand.

Boing 747 der KLM
Apartmentanlage Allwest

Mit 2 bzw. 3 Personen belegten sie die insgesamt sieben „Höhlen“ mit Blick auf das wundersame karibische Meer. Getrieben vom Hunger machten bereits die ersten Bekanntschaft mit dem berühmt-berüchtigten „China-Mann“. Jeder der sein Reich betrat wusste, dass das eigene Leben am seidenen Faden hing.

(selbst der Spielautomat war vergittert wie ein Hochsicherheitstrakt).

Neptun

Am nächsten Tag lernten sie Harald, den Komplizen von Louis und Besitzer der Tauchbasis „All WestDiving“ kennen. Er erteilte eine kurze Einweisung in den Tauchbetrieb der Basis. Als alle Klarheiten beseitigt waren, konnte das Abenteuer "Entdecke alle Lebewesen rund um Curaçao" endlich beginnen. Gleich am Hausriff machten sie eine erste wundersame Bekanntschaft. Dort saß er in 8,5 Metern Tiefe: Neptun der Meeresgott mit seinem Dreizack! Glücklicherweise war er freundlich gestimmt und erlaubte ihnen die Erkundung seiner Gewässer.

Von nun an zog die weiße Karawane Tag für Tag umher, um immer wieder neue Tauchplätzeaufzusuchen und Erfahrungen zu sammeln. Nachfolgend sei euch ein Einblick ins jeweilige Tagesgeschehen gewährt.

Mittwoch 7:30 Uhr Einstieg ins Wasser: Early Morning Dive! Eine sehr unchristliche Zeit, doch dank der Faszination der Unterwasserwelt ließ sich kaum einer zurückschrecken. Frisch gestärkt mit einem selbstgemachten Frühstück ging es anschließend zum benachbarten Tauchplatz „Playa Lagun“, eine der wenigen Buchten mit feinem, weißen Sandstrand und äußerst bequemem Einstieg.

Chef

Am späten Nachmittag waren dann die Ausdauersportler gefragt mit einem Tauchgang von der Apartmentanlage in Westpunt zur Nachbarbucht „Playa Kalki“, wo die neue Tauchbasis „All West Diving“ nahezu traumhaft ins Meer hineinragt. Nach dem Auffüllen der Pressluftflaschen und einer kleinen Verschnaufpause ging’s wieder retour – ca. 50 Minuten in acht bis zehn Meter Wassertiefe immer an der Riffkante entlang; am Neptun dann links ab und schon wieder zuhause angekommen!

Donnerstag, für manch einen der große Tag der Begegnung! In den unergründlichen Tiefen des Meeres an der „Knipbaai“ tauchte er plötzlich auf: der riesige, mit hervorstehenden und messerscharfen Zähnen besetzte Barrakuda - zum Glück hatte er wohl schon gegessen und schaute die Taucher interessiert an. Auch „Playa Jeremie“ konnte sich durch die atemberaubende Korallen-Pilzlandschaft begeisternde Blicke der Taucher erhaschen.

Am Freitag konnte man die weiße Karawane sehen, die die Vaersenbaai mit den 3 Buchstaben PSV (Polizei- Sportverein) ansteuerte. Auf ihren Wegen durch die raue Landschaft konnten sie immer wieder beobachten wie getarnte „Leguanjäger“ (egal ob als Müllsucher und Landschaftsreiniger oder Hochspannungselektriker) auf der Suche nach ihren Opfern waren.

Vaersenbaai
Superior Producer

27.03.04 - 5 Tage waren inzwischen vergangen, als sie nun die „Titanic“ (Superior Producer) erforschen sollten. Ganz am anderen Ende der Insel fand der Suchtrupp den 1977 gesunkenen Küstenfrachter. Das Wrack lag auf ebenem Kiel in etwa 30 Metern Tiefe. Doch sie kamen zu spät. Von der einstigen Ladung gab es nichts mehr, was sich zu bergen gelohnt hätte.

Das einzigartige Ambiente und der überaus tollen Bewuchs des Wracks entschädigten jedoch für alle Mühen und die Taucherinnen hatten ihren Spaß.

Am Samstagabend zogen drei tapfere Krieger zum „Mambo Beach“, um dort die einheimische Gattung näher kennen zu lernen. Diese Aufgabe erwies sich als schwierig - und prickelnd -, so dass sie am Sonntagabend die Unterstützung von vier weiteren Reisemitgliedern erhielten. Im Nachhinein kann sich leider niemand mehr so richtig an das abendliche Geschehen erinnern.

Montag, der 29.03.2004 nun hieß es „tauchfrei“, um den Körper vom reichlich aufgenommenen Stickstoff etwas zu entsättigen - also Zeit, um sich dem Land und der Kultur zu widmen. Vormittags stand die Besichtigung der 1896 erschlossenen Senior’s Destillerie auf dem Programm.

Senior’s Destillerie

Die einzig Wahre, denn weltweit einmalig wird nur hier der original Curaçao-Likör gebrannt. Später ging es dann an die Eroberung der Hauptstadt Willemstad - eine wirklich sehr schöne und bunte Stadt mit vielen Einkaufsgassen und netten Cafés am Hafenkai.

Flugzeugwrack am Playa Hundu

Am Dienstag setzten die Teilnehmer ihre Reise dann wieder unter Wasser fort. Zum warm werden ein kleiner Tauchgang an Playa Kalki und dann zur abgelegenen Santa Martha Baai, wo u.a. die letzten Reste vom 1962 erbautem Sportflieger "Aero Comander" auf dem Meeresgrund lagen.

Tucboat

Mittwoch nun war es Zeit für das Gruppenfoto vor dem Tugboat – dem berühmten Unterwasser-Wahrzeichen Curaçaos. Was nicht sehr einfach war, da immer wieder Schnorchlerfüsse oder Fische aufdringlich versuchten, den Tauchern die Show zu stehlen und ins Bild zu gelangen.

Seepferdchen

Gleich nebenan in der Director’s Baai geschah leider wieder Schreckliches. Geblendet von der Schönheit der Seepferdchen bemerkten einige Taucher nicht, wie sich ein bösartiger Seeteufel anschlich, um sein Gift zu verspritzen und die Taucher mit juckenden Pusteln zu strafen. Abends hatte sich Daktari, unser „Doktorfisch“ angeboten ein gemeinsames Mahl zuzubereiten.

Nur leider nicht ohne Hindernisse, denn gerade beim Anbraten des Geschnetzelten hatte sich das Propangas für den Kochherd auf wundersame Weise verflüchtigt. Nun musste auch noch zuerst neues erbeutet werden, um mit dem Abendritual fortfahren zu können. Doch letztendlich wurde es dann ein äußerst gelungener Schmaus, der wirklich allen sehr gemundet hat.

Den Donnerstag verbrachte die Mannschaft am Beach „ Porto Marie“, um die dort gelegenen zwei grossen Riffblöcke zu untersuchen. Die Trockenphasen zwischen und nach den Tauchgängen dienten dann der Erholung und zur Beobachtung der Strandgäste. Ja, diese waren hier wirklich zu finden, was ja ansonsten eher selten auf dieser Insel der Fall ist.

Geburtstagskörbchen

Happy Birthday! Am 2.04.2004 erhielt Ralf sein lang ersehntes Obstkörbchen, das vom Himmel herab auf seine Veranda abgeseilt wurde. Aufgrund eines versteckten Hinweises ging es anschliessend nochmal zur Vaersen Baai, um dort herauszufinden, wie der Autohandel (bzw. eher die Entsorgung alter Autos) unter Wasser abläuft. Wow! Ein richtiger Autofriedhof mit Schiffswrack – und das ganze in Tiefen zwischen 30 und 50 Metern!

Watamula

Dämmerung, Zeit zum Sterben. Schon gestern fühlten sich die ersten dem Tod sehr nahe und auch heute konnten sich nicht alle den Lockrufen von WATAMULA (dem westlichsten und oftmals rauesten Tauchplatz) entziehen. Gott sei Dank hatten die Kollegen in der Apartmentanlage den Grill angeworfen, um durch leckere Duftstoffe alle wieder auf den richtigen Pfad nach All West zu lenken.

Samstag, von der Luft aus war die weiße Karawane nicht mehr zu sehen. Die tapferen Ritter schlugen sich durch das Dickicht aus Kakteen und Divi-Divi-Bäumen, nur um einen neuen Tauchplatz namens Playa Largu zu erreichen. Nach Entrichtung von Wegezoll und Durchqueren von unwegsamstem Gelände (wofür eigentlich Wegezoll??) konnte dort ein schöner Tauchgang absolviert werden.

Zwei aus unserer Gruppe wollten unbedingt alte Sklavenhütten erkunden. Trotz italienischer Sicherheitsschuhe“ – original Birkenstock – musste daraufhin in einer Notoperation vor Ort ein mindestens 15 cm langer Kakteenstachel aus Wölfi’s dickem Zeh entfernt werden.  Schmerz!!!!

Der letzte Tauchtag war herangebrochen und in großer Aufruhr streute die Karawane auseinander, um noch schnell die letzten Forschungen in die Wege zu leiten. Geschwächt und dennoch voller Energie zogen sie spätnachmittags mit dem Boot hinaus auf’s Meer, um das Urlaubsprojekt mit einem letzten Tauchgang vor Watamula abzuschließen.

Montag, der 05.04.2004. Das Wasser hatte nun viel Zeit in Anspruch genommen, so dass nur noch wenig Zeit für die Landerkundung blieb. Also wurden kleine Grüppchen gebildet, die verschiedene Aufgaben erhielten. So mussten manche noch die letzten Eindrücke der Stadt in sich aufsaugen, blutige Klettertouren in neu erworbenen Gummischuhen überleben oder sich an der überaus rauen Nordküste der Macht des tosenden Meeres entziehen.

The last but not the least. Nun war es so weit. Der Tag des Abschieds war gekommen! Die blechernen Kamele wurden beladen und die Festung musste aufgegeben werden. Voller Trauer zog die weiße Krawane zum Flughafen, um die wichtige Schmuggelware sicher an Bord des KLM Jumbos zu bringen.

Ein letzter Zug durch die Stadt und am Abend musste dann die Gruppe endgültig den Rückzug antreten. Es dauerte über die ganze Nacht hinweg, hinein in den nächsten Tag, als sie vormittags in Amsterdam wieder erwachten. Mit letzter Kraft schleppten sie sich in den bereitstehenden Reisebus, der sie ohne Umschweife zurück zum Tauchshop externIVAN’S DIVE TEAM brachte. Hier verliert sich ihre Spur.

Bleibt noch zu sagen: Und wenn sie nicht gestorben sind dann leben/ tauchen sie noch heute!

P.S. Dieses war die erste Gruppen-Tauchreise für mich. Im Vorfeld der Buchung und auch bei einem extra organisierten Vortreffen der Gruppe ca. 4 Wochen vor Reisebeginn hat Jürgen Janning präzise Details der Reise, aber auch interessante Informationen über Land und Leute kompetent dargestellt. Die Tour hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen und ich bin dermaßen begeistert, dass ich bereits die nächste „Explorertour“ bei Jürgen fest gebucht habe. Ich kann’s kaum abwarten, wieder mit einer so tollen Truppe auf „Tauchstation“ zu gehen.

Letzte Aktualisierung: 25. Oktober 2011